Donnerstag, 13. Oktober 2016

Vom Ankommen und Wohlfühlen

+++ Es ist warm, die Sonne scheint und ich genieße den Fahrtwind während ich entspannt auf dem Moto sitze.  „Da vorne rechts“, sage ich zum Fahrer und deute auf unsere Straße. Vor unserem Haus lässt er mich absteigen. Ich bezahle. „Merci, Monsieur. Bonne journée!“ +++
Das ist eine Szene, wie ich sie fast täglich erlebe zum Beispiel, wenn ich von der Arbeit komme. Es ist Alltag geworden und ich mag es. Noch schöner ist es, wenn es dunkel ist und die Straßen leerer und ruhiger sind. Das ist ein Gefühl von Freiheit. Wenn ich manchmal so auf dem Moto durch Lomé fahre, kann ich kaum glauben, dass ich das Glück habe ein Jahr in dieser Stadt leben zu dürfen!

Bon nuit! – Ein schöner Tag neigt sich dem Ende...
Ich habe mich gut eingelebt, es ist nichtmehr nur Urlaub, es ist mehr. Unser Zimmer sieht bewohnt aus, in der WG sind wir inzwischen ein gutes Team, wir haben hier Freunde gefunden, unternehmen etwas zusammen, lachen und reden.
Letzte Woche Mittwoch waren wir, Mara, Anicet, Chryst und ich, z.B. im Goethe-Institut Lomé  und haben uns ein Theaterstück zum Thema Flucht angeschaut! Auch wenn ich nicht alles auf Französisch verstanden habe war es toll! Natürlich ist es ein ernstes Thema, aber durchaus mit Witzen inszeniert. Danach haben wir noch lange über diverse Themen geredet, es war ein schöner Abend und ich hatte das Gefühl richtig angekommen zu sein. Ich fühle mich unglaublich wohl hier! 
Wenn ich von Alltag rede, meine ich das im positiven Sinne. Dann meine ich zum Beispiel die Motofahrten bei denen ich ganz selbstverständlich um den Preis verhandle und mich sicher fühle oder das Brotkaufen jeden Morgen bei der selben Verkäuferin, die uns schon mit „À demain!“ (Bis Morgen) verabschiedet.
Ich begegne hier so vielen netten Menschen und es sind so viele kleine Momente die mich glücklich machen! Wenn wir durch unsere Straße laufen kommen die Kinder mit „Gib mit 5!“-mäßig ausgestreckter Hand und wollen, dass wir einschlagen. Lea hat damit begonnen und jetzt kommen sie bei uns alle, wenn sie uns sehen! Total süß!!  

Ausblick von unserer Dachterrasse!
Und auch auf der Arbeit sind die Leute total nett. Morgens um 9Uhr soll ich immer da sein, dann lernt der Direktor mit mir Gebärdensprache. Einzelunterricht ist sehr effektiv kann ich sagen! Bevor ich gehe kann ich meist noch mit einigen Kollegen reden und gleich anwenden was ich gelernt habe. Nicht alle sind gehörlos, aber alle können Gebärdensprache und die Hörenden reden dann parallel Französisch. So lief das auch am Montag bei der Konferenz der Lehrer eine Woche vor Schulbeginn ab. Es wurde einiges Organisatorisches besprochen, u.a. auch Sachen, die besser gemacht werden sollen als letztes Jahr. Ich fand das total gut und wichtig, diesen Austausch auch über Probleme und ich freue mich total auf das kommende Jahr - Nicht nur auf die Arbeit sondern auf den ganzen Tag.
Es sind so viele kleine Momente und Kleinigkeiten, die jeden Tag irgendwie besonders machen!

Momente wie dieser:

Auf der Dachterrasse sitzen, Musik hören und diesen traumhaft schönen Himmel sehen!
Oder später wieder auf der Dachterasse gemeinsam zu Abend essen – gefüllte Zucchini und Reis. Super lecker!
„WG-Candle-Light-Dinner“ – naja fast... Die Kerzen sind immer wieder ausgegangen, stattdessen gab es eine Lichterkette. Ein richtig gemütlicher Mädelsabend!
Oder wenn Anicet mir erzählt, dass er zufällig einen Gehörlosen getroffen hat ihn begrüßen konnte mit den Gesten, die ich ihm beigebracht habe. Das hat uns beide voll gefreut!

Oder, oder, oder....

Ihr seht es sind viele kleine Momente und auch wenn ich an manchen Tage nichts oder nicht viel tue gehe ich doch zufrieden ins Bett bis ein neuer Tag beginnt, der sicherlich auch schön werden wird! 


Alles Liebe, Eure Alina







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